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Kulinarische Zeitreise ins Korea des 17. Jahrhunderts: Nu-reum Jeok

„Kochen ist der Ausdruck der eigenen Hingabe und fängt die Gefühle für andere ein. Es ist ein Herz der Liebe und Dankbarkeit, des Respekts und der Zuneigung.“

Mit diesen wunderschönen, tiefgründigen Worten aus einer faszinierenden Ausstellung auf Google Arts & Culture möchten wir Sie heute herzlich in unserer Küche willkommen heißen. Ist das nicht eine Philosophie, die wir uns bei jedem Handgriff am Herd ins Gedächtnis rufen sollten?

Diese weisen Zeilen beschreiben die Essenz eines der bedeutendsten kulinarischen Werke der Weltgeschichte: dem Eumsikdimibang (oder Eumsikjimibang). Verfasst wurde dieses damals schon von einer Frau geschriebene Kochbuch vor rund 340 Jahren von Jang Gye-hyang (1598–1680), einer Adligen der koreanischen Joseon-Dynastie. Sie schrieb es liebevoll in Hangeul, dem koreanischen Alphabet, um ihr umfassendes Wissen über die würdevolle Bewirtung von Gästen und die Wertschätzung von Lebensmitteln an ihre Nachkommen weiterzugeben.

Bei unserer Recherche nach den authentischen Aromen dieser Zeit sind wir auf ein Gericht gestoßen, das in seiner ursprünglichen Form im Eumsikdimibang verewigt ist und die Eleganz der damaligen Palast- und Adelsküche perfekt einfängt: Nu-reum Jeok (누름적).

Das Wort „Nureum“ bedeutet so viel wie „drücken“ oder „pressen“. Es handelt sich dabei um kunstvoll aufgereihte, in feine Streifen geschnittene Zutaten, die auf kleinen Holzspießen dicht aneinandergefügt, in Mehl und verquirltem Ei gewendet und schließlich in der Pfanne sanft flachgedrückt und goldgelb gebraten werden. Durch diese Zubereitungsart verbinden sich die Aromen der edlen Zutaten zu einer wunderbaren Harmonie, während die Eihülle alles unglaublich saftig hält.

Wir laden Sie ein, dieses Stück Geschichte mit uns nachzukochen!

Rezept: Historisches Nu-reum Jeok (Koreanische Spieße nach Joseon-Art)

Diese feinen Spieße sind außen herrlich zart und innen saftig und hocharomatisch. Ein absoluter Höhepunkt für jedes Festmahl.

Bio-Zutaten (für ca. 4 Personen):

Für die Spieße:
  • 250 g mageres Rindfleisch, alternativ geräucherten Tofu oder Tempeh
  • 4 Shiitake-Pilze oder Protobello
  • 1 Zucchini (oder anderes festes Gemüse wie Melanzani/Aubergine oder Karotten)
  • 2 Frühlingszwiebeln (nur die weißen und hellgrünen Teile)
Für die traditionelle Marinade:
  • 2 EL Sojasauce
  • 1 EL geröstetes Sesamöl
  • 1 TL fein gehackter Knoblauch
  • 1 TL frisch geriebener Ingwer
  • 1 TL Zucker (oder Reissirup)
  • 1 EL fein gehackte Pinienkerne
  • Eine Prise schwarzer Pfeffer
Für die knusprige Hülle (Jeon-Panade):
  • 3–4 EL Weizenmehl
  • 2 frische Eier (alternativ Ḿaisstärke mit etwas Wasser vermischt)
  • Eine winzige Prise Salz
Sonstiges: 
  • Sesamöl oder neutrales Pflanzenöl zum Braten (z.B. Raps- oder Sonnenblumenöl)
  • Holzspieße (oder Zahnstocher)

Zubereitung:

Die Kunst des Schneidens: Der wichtigste Schritt für ein perfektes Nu-reum Jeok ist die Vorbereitung. Schneiden Sie das Rindfleisch, die eingeweichten Shiitake-Pilze, die Zucchini und die Frühlingszwiebeln in exakt gleich lange und dicke Streifen (etwa 5 cm lang und 1 cm breit). So garen alle Zutaten gleichmäßig.

Die Aromen vereinen: Geben Sie die geschnittenen Zutaten in eine Schüssel. Vermengen Sie die Sojasauce, das Sesamöl, den Knoblauch, den Ingwer, den Zucker, die Pinienkerne und den Pfeffer zu einer feinen Marinade. Massieren Sie diese Marinade sanft in die Zutaten ein und lassen Sie alles für etwa 15 bis 20 Minuten ruhen.

Das Spießen: Nun folgt der meditative Teil. Stecken Sie die marinierten Streifen abwechselnd quer auf die Holzspieße (z.B. Rindfleisch – Zucchini – Shiitake – Frühlingszwiebel – Rindfleisch). Achten Sie darauf, dass die Zutaten dicht aneinander und auf einer Ebene liegen, sodass ein flaches „Rechteck“ entsteht.

Die traditionelle Hülle: Verquirlen Sie die Eier in einem flachen Teller mit einer kleinen Prise Salz sehr sorgfältig (für ein optisch perfektes Ergebnis können Sie das Ei durch ein feines Sieb streichen). Geben Sie das Mehl auf einen zweiten Teller.

Wenden und Ausbacken: Erhitzen Sie etwas Öl in einer großen Pfanne bei mittlerer Hitze. Wenden Sie die Spieße zuerst hauchdünn im Mehl – klopfen Sie überschüssiges Mehl gut ab, man soll die Zutaten noch erahnen können. Ziehen Sie die Spieße danach durch das verquirlte Ei und legen Sie sie in die Pfanne.

Das namensgebende „Pressen“: Drücken Sie die Spieße mit einem Pfannenwender leicht flach in die Pfanne („Nureum“), damit sie eine gleichmäßige, goldgelbe Kruste bilden. Braten Sie sie von beiden Seiten für etwa 2 bis 3 Minuten, bis das Ei gestockt und das Fleisch gar ist.

Anrichten: Lassen Sie die Spieße auf etwas Küchenpapier abtropfen. Servieren Sie sie noch warm – ein wundervolles, historisches Geschmackserlebnis!

Für die schnellere Küche geht es natürlich auch im Airfryer oder Backrohr, wird dann aber schnell trocken, daher wirklich darauf achten, es nur ein paar Minuten im vorgeheizten Backrohr hineinzugeben. 


Unser Fazit:

Wenn sich dieser herrliche Duft nach geröstetem Sesamöl, herzhaftem Rindfleisch und erdigen Pilzen in der Küche ausbreitet, verstehen wir sofort, warum Jang Gye-hyang diese Rezepte für die Ewigkeit festhalten wollte. Die feine Hülle schließt alle Säfte wunderbar ein und macht jeden Bissen zu einem harmonischen Erlebnis.

Dieses vielfältige Gericht eignet sich sowohl als Vorspeise oder Abendessen, aber auch mit Reis oder Mie-Nudeln und einer Sauce als Mittagessen. 

Es ist die perfekte, um sie mit besonderen Menschen zu teilen. Ganz im Sinne des obigen Zitats: ein Gericht mit Herz aus Liebe, Respekt und Zuneigung auf dem Teller.

Wir wünschen Ihnen ganz viel Freude beim Ausprobieren und Genießen mit diesem kulinarischen Ausflug in die koreanische Geschichte.


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