Balvenie DoubleWood 12 Years - ein exzellent ausbalancierter Vertreter eines weichen Speyside Whiskys
Das „DoubleWood"-Verfahren: Eine großartige Veredelung
Der Balvenie DoubleWood 12 war einer der ersten Whiskys, der das sogenannte „Cask Finishing“ (Nachreifen) salonfähig machte. Dieses Verfahren verleiht dem Whisky Schichten von Aromen, die ein einzelnes Fass nicht erreichen könnte.
Der Prozess verläuft in zwei Stufen:
Die Basis (Reifung): Der Whisky verbringt den Großteil seines Lebens – mindestens 12 Jahre – in traditionellen Ex-Bourbonfässern und Hogsheads aus amerikanischer Eiche. Diese Zeit verleiht dem Brand seine weiche Textur sowie die typischen Noten von Vanille und Toffee bzw. Honig.
Das Finish (Veredelung): Anschließend wird der Whisky für mehrere Monate (üblicherweise ca. 9 Monate) in (First-Fill-)Oloroso-Sherryfässer aus spanischer Eiche umgefüllt. Obwohl dieser Zeitraum kurz erscheint, ist er entscheidend: Das Holz gibt Farbe, dunkle Fruchtigkeit und eine würzige Tiefe ab.
Nach diesen zwei Stufen werden die Whiskys in großen Eichenbottichen (den sogenannten „Tuns“) für einige Monate vermählt, damit sich die Aromen harmonisch verbinden können, bevor abgefüllt wird.
Verkostungsnotiz (Tasting Notes):
Hier ist der sensorische Eindruck dieses Klassikers im Detail:
Nase (Aroma): Der erste Eindruck ist einladend und warm. Es dominiert eine süße Fruchtigkeit, die sofort Assoziationen an Sherry und saftige Rosinen weckt. Darunter liegt, fast wie ein Fundament, die klassische Balvenie-DNA: eine sanfte, cremige Note von leichtem Toffee und Vanille. Lässt man dem Whisky etwas Zeit im Glas, offenbaren sich dezente, tiefe Gewürznoten, allen voran ein Hauch von Zimt, der für Komplexität sorgt.
Gaumen (Geschmack): Im Mund zeigt sich die wahre Stärke des DoubleWood: seine Textur. Er ist bemerkenswert geschmeidig, fast ölig und vollmundig.
Eine deutliche Note von gerösteten Haselnüssen bzw. Walnüssen tritt hervor. Diese wird perfekt balanciert durch Toffee und Honignoten. Die Sherry-Fässer steuern Aromen von reifen Äpfeln und Beeren bzw. Rosinen bei, während die Holznoten eine feine Zimtwürze und eine leichte Pfefferwürze liefert. Es ist ein ständiges Wechselspiel zwischen Bourbon und Sherry.
Abgang (Nachklang): Der Abgang ist lang anhaltend und angenehm wärmend. Die anfängliche Süße weicht langsam trockeneren Holztönen. Was bleibt, ist eine Erinnerung an etwas Toffee und Vanille, die ganz sanft ausklingen und Lust auf den nächsten Schluck machen.
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Die Destillerie: The Balvenie – Hüter des traditionellen Handwerks
Um den DoubleWood wirklich zu verstehen, muss man einen Blick auf seinen Ursprungsort werfen. Die Balvenie Distillery liegt im Herzen der schottischen Speyside, in der Whisky-Hochburg Dufftown, und wurde 1892 von William Grant gegründet (nahe der Schwester-Destillerie Glenfiddich).
Was The Balvenie von fast allen anderen Brennereien unterscheidet, ist das kompromisslose Festhalten an den „Five Rare Crafts“ (den fünf seltenen Handwerken). In einer Zeit der Automatisierung leistet sich Balvenie den Luxus, diese Traditionen im Haus zu bewahren:
1. Eigener Gerstenanbau: Ein Teil der verwendeten Gerste wird immer noch auf den eigenen Feldern (Balvenie Mains) angebaut.
2. Eigene Mälzerei (Floor Maltings): Balvenie ist eine der wenigen verbliebenen Destillerien, die noch über einen aktiven Malzboden verfügen, auf dem die Gerste von Hand gewendet wird.
3. Kupferschmiede vor Ort: Ein eigenes Team von Kesselschmieden wartet die Brennblasen, um den spezifischen „Balvenie-Ball“, die Form des Brennhalses, zu erhalten, der für den honigsüßen Geschmack entscheidend ist.
4. Die Küferei (Cooperage): Eigene Küfer reparieren, toasten und bereiten die Fässer vor Ort vor – eine absolute Seltenheit.
5. Der Malt Master: Über Jahrzehnte prägte David C. Stewart MBE den Stil des Hauses. Er gilt als einer der Pioniere des „Wood Finishing“. Sein Wissen wird nun an Kelsey McKechnie weitergegeben.
Der The Balvenie DoubleWood 12 Years ist der Inbegriff eines „Sophisticated Malt“. Er ist zugänglich genug für Einsteiger, bietet aber durch die doppelte Reifung genug Tiefe und Komplexität, um auch erfahrene Kenner immer wieder zu begeistern. Ein perfekter „All-Rounder“ für die Hausbar.
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